Lob für Integration von Behindertensport
Molitor und Laurischk besuchen Rollstuhlabteilung des Tennisclubs Offenburg
Offenburg (cbb). Mit Spannung erwarteten Vorstände und Mitglieder der Rollstuhlabteilung des Tennisclubs Offenburg die beiden FDP Bundestagsabgeordneten Gabriele Molitor und Sybille Laurischk. Angekündigt hatten sich die beiden anlässlich des Besuchs von Gabriele Molitor in Offenburg. Die behindertenpolitische Sprecherin der FDP Bundestagsfraktion wollte sich einmal selbst ein vom Bild vom Behindertensport in der Praxis machen. "Wir sind gekommen, um uns Fragen, Ideen, Vorschläge und Kritik von der ganzen Gruppe anzuhören", so Laurischk bei ihrer Begrüßung. Insbesondere freute sie sich neben der Rollstuhlgruppe auch Günter Pfullendörfer, den Präsidenten des BBS Badischen Behinderten- und Rehabilitationssportverbandes, zu treffen. Sein langjähriges Engagement mache ihn zur Institution, stellte Laurischk fest.
"Auch Tennis gehört zum Behindertensport dazu. Der Tennisclub Offenburg geht hier mit bestem Beispiel voran", so Pfullendörfer. Auf der anderen Seite beklagte der Präsident die rückläufigen Mitgliedszahlen beim BBS. "Die behinderten Menschen finden den Weg nicht mehr zu uns. Andere Interessen scheinen hier im Vordergrund zu stehen." Auch gäbe es häufig Probleme mit Hallenbelegungszeiten. Dass der Verein bei Beschlüssen oft gar nicht miteinbezogen würde, macht Pfullendörfer besonders zu schaffen: "Ich fühle mich vergessen".
Auf offene Ohren bei den beiden Politikerinnen stießen auch die Rollstuhlfahrer der Rollstuhlabteilung des Tennisclubs Offenburg. Zahlreiche Diskussionspunkte lieferte Bernd Wiedemer, Leiter der Rollstuhlabteilung und engagiertes Vorstandsmitglied. Neben den Themen des Sports, wie die fehlende Kostenübernahme bei Sportrollstühlen oder die bessere orthopädische Versorgung kamen auch alltägliche Dinge des Lebens zur Sprache, wie die immer noch häufige Ablehnung bei der Arbeitssuche oder die fehlende Einbeziehung von Behinderten bei der Planung von Bauprojekten.
Umso mehr lobte Gabriele Molitor das Engagement des Tennisclubs Offenburg beim Behindertensport. "Ich finde es toll, dass Sie Rollstuhltennis als Abteilung im Verein aufgenommen haben. Wir müssen es schaffen, dass sportliche Betätigung Schlimmeres verhindert. Denn Sport steht für Prävention." Wichtig sei es darum, dass Behindertensport genau so selbstverständlich gehandhabt würde, wie der normale Sport. Es könnte nicht sein, dass Ärzte Behinderten Sport verschrieben, die Ausübung dann aber schon an den fehlenden Rahmenbedingungen scheitere. Der TCO sei hier das beste Beispiel dafür, wie Integration funktionieren kann. Auch der siebzigjährige Günther Becherer, der durch einen Zeitungsartikel auf die Rollstuhlabteilung aufmerksam wurde, fühlt sich beim TCO sehr wohl. "Ich sitze erst seit zweieinhalb Jahren im Rollstuhl und war vorher begeisterter Tennisspieler. Das kann ich beim TCO jetzt wieder sein. Auch der Erfahrungsaustausch mit den anderen Clubmitgliedern war für mich als Neu-Rollstuhlfahrer wertvoll."
Beim Tennisclub Offenburg gehören die Rollis inzwischen zum alltäglichen Bild und sind auf der Anlage gerne gesehen. "Seit unsere Anlage rollstuhlgerecht umgebaut ist, habe ich ein gutes Gefühl bezüglich der neuen Clubmitglieder. Auch die Plätze leiden weniger unter den Rädern der Rollstühle, als zum Abteilungsstart im Jahre 2008 angenommen", erzählt die 1. Vorsitzende und Initiatorin der Rollstuhlabteilung, Cornelia Weizenecker. "Ich freue mich sehr über den Zuspruch von Frau Molitor und Frau Laurischk." Gerne komme sie auf das Angebot von Gabriele Molitor zurück, gemeinsam Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben - vielleicht auch in Berlin. Dort könnten die Rollstuhlfahrer des TCO einmal zeigen, wie viel Freude sie an ihrem Sport haben. "Schön wäre es, wenn wir dann alle zusammen in einem ICE fahren könnten", bemerkt Weizenecker abschließend. "Denn derzeit bietet die Bahn leider nur zwei Plätze pro Zug für Rollstuhlfahrer an."
Text und Bild Claudia Beier-Bremerich (Pressewartin TC Offenburg)




