Die Badener ließen sich von der hoffnungsvollen Stimmung der französischen Ereignisse anstecken. Die Märzrevolution findet ihren Beginn somit in Baden und breitet sich erst allmählich auch über die restlichen Staaten des Deutschen Bundes aus. Charakteristisch für das Badener Vorgehen ist jedoch die Radikalität. Die Badener waren einst in Besitz der liberalsten Verfassung und fordern darum auch die weitest reichenden Veränderungen. Der Gedanke an eine demokratische Republik war andernorts noch nicht gereift, vielmehr wurde eine konstitutionelle Monarchie mit Erbkaisertum angestrebt.
Die erste Phase der Badischen Revolution datiert vom März bis in den September des Jahres 1848. Die noch heute bekannten Aufständischen lassen sich als frühsozialistisch und radikaldemokratisch beschreiben. Unter ihnen finden sich Friedrich Hecker, Georg Herwegh mit seiner Ehefrau Emma, Gottfried Kinkel, Wilhelm Liebknecht und Gustav Stuve mit seiner Ehefrau Amalie. Zum Ende der Kämpfe war auch der Sozialist Friedrich Engels als Berichterstatter für die "Neue Rheinische Zeitung" seines Freundes Karl Marx zugegen. Diese Vordenker konnten sich auf die in Baden zahlreich neugegründeten Volksvereine stützen.
Chronologie
1847
12. September Die Offenburger Versammlung artikuliert die "Forderungen des Volkes in Baden". Darin verzeichnet finden sich Bürgerrechte, soziale Sicherung und Gleichheit
1848
27. Februar Die Mannheimer Volksversammlung formuliert die Märzforderungen
1. März Demonstranten dringen in das Ständehaus des Landtags mit Sitz im Karlsruher Schoss ein. Die Forderungen beziehen sich auf das Abschaffen der Adelsprivilegien und mehr Freiheiten für Bauern
4. März Die Bauern erheben sich in Nordbaden gegen die Überreste des mittelalterlichen Feudalsystems
19. März In Offenburg versammeln sich 2o.ooo Bürger
12. April Beim sogenannten "Hecker-Aufstand" in Konstanz rufen Hecker und Struve die Republik aus
20. April Der Heckerzug wird bei Kandern von konterrevolutionären Truppen zerschlagen. Hecker flieht ins Exil
24. April Franz Sigel führt eine Gruppe von Freischaren auf Freiburg zu, um die besetze Stadt zurückzuerobern. Der Versuch misslingt
27. April Herweghs 9oo Mann starke "Deutsche Legion" unterliegt bei Dossenbach dem württembergischen Militär
21. September Struve ruft bei einem Aufstand in Lörrach erneut die Republik aus. Das Militär greift erneut hart durch, Struve wird verhaftet
Mit der Inhaftierung, bzw. der Emigration wichtiger Führer endet diese erste Phase der Bewegung erfolglos. Die Region kommt durch den Rückzug der Freischaren vorerst zur Ruhe.
Die zweite Phase wird durch die Maiaufstände von 1849 gekennzeichnet. Das Scheitern der Paulskirchenverfassung bringt nun auch andere Kleinstaaten des Deutschen Bundes gegen die Obrigkeit auf. Die Aufstände und mit ihnen auch die Revolutionsangst breiten sich aus.
1849
11. Mai Die badische Garnison wird in der Bundesfestung in Rastatt aufständisch
12. Mai Den badischen Volksvereinen wird auf ihrer Delegiertenkonferenz die Frage nach der Ausrufung einer Republik gestellt. Es findet sich keine Mehrheit
13. Mai In Offenburg wird ein 16-Punkte-Programm beschlossen, welches die Anerkennung der Reichsverfassung und die Bildung einer neuen, großherzoglichen Regierung fordert. Das Programm wird von Amand Goegg in Rastatt verkündet, woraufhin der Großherzog Leopold von Baden nach Koblenz flieht
Es beginnt die Hochphase der Revolution
14. Mai Eine Exekutivkommission des Landesausschusses unter dem Präsidenten Lorenz Brentano wird einberufen und Johann Philipp Becker wird beauftragt, eine Volkswehr zu schaffen
1. Juni Unter Lorenz Brentano wird eine provisorische republikanische Regierung gebildet. Der Landesausschuss stellt seine Arbeit ein
5. Juni Der befreite Struve bildet mit Becker den ?Klub des entschiedenen Fortschritts? in Karlsruhe. Sie werden verhaftet, aufgrund des öffentlichen Drucks aber wieder auf freien Fuß gesetzt
Juni Auf Bitten der Landesfürsten schreiten Bundestruppen und preußische Armeekorps in Baden ein. Nach und nach besiegen sie die badischen Widerstandstruppen in Kämpfen bei Waghäusel, Germersheim und Durlach.
Diese ziehen sich zurück, die Revolutionsregierung um Brentano flieht nach Freiburg
28. Juni Im Basler Hof in Freiburg tagt eine verfassungsgebende Versammlung. Die Frage nach der gewaltsamen Durchsetzung der deutschen Einheit und Freiheit mit allen verfügbaren Mitteln zerreißt die Revolutionsbewegung. Brentano tritt als Regierungschef zurück, eine weitere provisorische Regierung wird gebildet. Sie bemächtigt sich selbst mit diktatorischer Gewalt
Die letzten umkämpften Städte sind nach dem Rückzug der Aufständischen nach Südbaden Rastatt und Freiburg. Am 7.Juli wird Freiburg von Truppen der preußischen Armee eingenommen und am 23. Juli 1849 endet auch der gewaltsame Kampf in Rastatt. Die Revolution ist gescheitert. Die Aufständischen werden hingerichtet, zu langen Haftstrafen verurteilt oder fliehen ins Exil.
Die wenigen freiheitlichen Zugeständnisse, welche die Revolutionäre den Oberen abringen konnten, sind von kurzer Dauer. Dazu zählen das konstitutionelle Regierungssystem, die Gewährung der Pressefreiheit, die Einführung von Schwurgerichten und der Volksbewaffnung und die Anbahnung von Wahlen zu einem deutschen Nationalparlament.
Die darauffolgende Zeit der monarchistischen Restauration in Europa von 185o-186o setzt diesen blutig eroberten Rechten wieder ein Ende.